Die Schweizer Online-Handelsplattform Ricardo hat nach eigenen Angaben einen unbefugten Zugriff auf Nutzerdaten festgestellt. Laut Mitteilungen vom 9. Oktober 2026 sind rund 890’000 Konten betroffen. Offengelegt wurden demnach unter anderem Namen, Postadressen und Telefonnummern; bei Geschäftskonten können Firmennamen hinzukommen. Das Unternehmen betont, dass E-Mail-Adressen und Passwörter nicht betroffen waren. Für Käufer und Verkäufer ist dennoch Vorsicht angebracht: Betrüger können auch ohne Kontopasswort vorhandene persönliche Angaben benutzen, um sich glaubwürdig auszugeben oder Druck über gefälschte Liefer- und Zahlungsnachrichten auszuüben.
Wann fiel die Sicherheitslücke auf?
Nach der von der Nachrichtenagentur AWP verbreiteten Unternehmensmitteilung stellte Ricardo am 7. Oktober verdächtige Aktivitäten fest und leitete technische Schutzmassnahmen ein. Die Untersuchung ergab einen unbefugten Zugriff auf persönliche Angaben einer grossen Anzahl Konten. Die Plattform erklärte, die Sicherheitslücke sei inzwischen geschlossen. Das belegt zunächst die gemeldeten Schritte des Unternehmens, nicht jedoch, dass eine spätere unabhängige forensische Überprüfung bereits öffentlich vollständig vorliegt. Neue Erkenntnisse können den Umfang eines Sicherheitsvorfalls verändern.
Welche Informationen sollen betroffen sein?
Genannt werden Namen, postalische Adressen und Telefonnummern sowie bei Geschäftskunden Firmennamen. Diese Datentypen können beispielsweise für unerwünschte Kontaktaufnahme, Identitätsvortäuschung oder zielgerichtete Betrugsversuche genutzt werden. Das Unternehmen betont zugleich, dass Zugangspasswörter und E-Mail-Adressen nach seinen Angaben nicht Teil des Vorfalls waren. Es wäre falsch, aus dem Bericht automatisch einen Diebstahl von Bankkarten, Passwörtern oder vollständigen Zahlungsprofilen abzuleiten. Wer eine entsprechende Behauptung erhält, sollte zunächst prüfen, ob es eine neue bestätigte Meldung gibt.
Müssen alle Betroffenen sofort ihr Passwort ändern?
Eine Passwortänderung kann eine vernünftige freiwillige Vorsichtsmassnahme sein, besonders wenn dasselbe Kennwort auch andernorts benutzt wird. Die bisher mitgeteilten Informationen belegen aber gerade nicht, dass Ricardo-Passwörter gestohlen wurden. Ein neues, einzigartiges Kennwort und aktivierte zusätzliche Kontosicherung sind generell sinnvoll. Entscheidend ist, ausschliesslich über die selbst eingetippte Ricardo-Adresse oder eine gespeicherte vertrauenswürdige App zu handeln, statt auf einen Link aus einer verdächtigen SMS oder E-Mail zu klicken. In Betrugsnachrichten wird oft gerade eine angebliche zwingende Passwortprüfung als Vorwand benutzt.
Wie könnte ein Phishing-Versuch nach dem Vorfall aussehen?
Ein Angreifer könnte sich als Käufer, Verkäufer, Zusteller oder Plattform-Support ausgeben und die bereits bekannten Angaben nennen, um Vertrauen zu schaffen. Eine Nachricht könnte etwa behaupten, ein Paket werde nicht zugestellt, bevor eine neue Telefonnummer oder eine kleine Gebühr bestätigt wurde. Auch Aufforderungen, einen QR-Code zu scannen oder ausserhalb der offiziellen Plattform Zahlungen freizugeben, sind Warnzeichen. Prüfen Sie offene Käufe und Verkäufe über die echte Kontoverwaltung. Teilen Sie keine Einmalcodes oder Bankzugänge mit einer Person, die Sie unaufgefordert kontaktiert.
Was haben Ricardo und die Behörden angekündigt?
Den veröffentlichten Berichten zufolge informiert Ricardo betroffene Nutzer direkt und hat den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten über das Ereignis benachrichtigt. Das Unternehmen will zudem Anzeige bei der Polizei erstatten und den Vorfall dem Bundesamt für Cybersicherheit melden. Diese Mitteilungen belegen nicht, dass die Daten bereits für einen konkreten Betrug an jedem betroffenen Konto genutzt wurden. Nutzer sollten offizielle Hinweise verfolgen und relevante verdächtige Kontaktversuche mit Datum, Nummer und Inhalt dokumentieren.
Konkrete Schutzschritte für Ricardo-Käufer und Verkäufer
Prüfen Sie Ihre laufenden Inserate und offenen Transaktionen direkt auf Ricardo. Seien Sie besonders aufmerksam bei plötzlich geänderten Zahlungsanweisungen, Nachfragen zu persönlichen Daten und angeblich dringenden Gebühren. Falls Sie tatsächlich auf einen gefälschten Link geklickt und Zahlungsdaten eingegeben haben, kontaktieren Sie die betroffene Bank oder den Kartenausgeber unverzüglich. Wenn Sie Einmalcodes oder Passwörter weitergegeben haben, ändern Sie die Zugangsdaten über eine vertrauenswürdige Verbindung und prüfen weitere Konten mit demselben Kennwort. Allgemeine Hinweise gibt das Bundesamt für Cybersicherheit.
Häufige Fragen
Sind alle 890’000 Konten vollständig übernommen worden?
Nein. Die gemeldete Zahl bezieht sich auf Nutzerkonten mit offengelegten persönlichen Angaben; sie ist kein Nachweis für die Übernahme aller Logins.
Sind Ricardo-Passwörter betroffen?
Das Unternehmen sagt, Passwörter und E-Mail-Adressen seien nicht betroffen. Das ist der veröffentlichte Stand, keine unabhängige Garantie für jede denkbare Datenquelle.
Sollte man das Ricardo-Konto löschen?
Eine pauschale Empfehlung lässt sich aus den bekannten Angaben nicht ableiten. Vorrang haben Kontoschutz und Wachsamkeit bei verdächtigen Nachrichten.
