Zusammenfassung: GLAMOS und die Schweizerische Akademie der Naturwissenschaften meldeten für das hydrologische Jahr 2025/26 einen Verlust von rund 5,5 Prozent des verbliebenen Gletschervolumens in der Schweiz. Damit gehört 2026 zu den schlimmsten Jahren seit Beginn der systematischen Messungen. Einzelne Gletscherzungen verloren im Sommer mehrere Meter Eis.

5,5 Prozent Eis in nur einem Jahr verloren

Die neue Jahresbilanz des Schweizer Gletschermessnetzes GLAMOS zeigt einen außergewöhnlich starken Rückgang. Im hydrologischen Jahr 2025/26 verloren die Schweizer Gletscher rund 5,5 Prozent ihres verbliebenen Eisvolumens. Damit liegt 2026 nur knapp hinter den extremsten Verlustjahren der jüngeren Messgeschichte.

Warum die Verluste 2026 so groß waren

Mehrere Faktoren wirkten gleichzeitig. Die Schneereserven nach dem Winter waren schwach, und zwischen Mai und September traten wiederholt Hitzewellen auf. Sobald die helle Schneedecke verschwindet, liegt dunkleres Gletschereis frei und nimmt mehr Sonnenenergie auf. Dadurch beschleunigt sich die Schmelze zusätzlich.

Mehrere Meter Eis verschwinden innerhalb eines Sommers

Die Veränderungen sind nicht nur statistisch. Messungen zeigen, dass die Eisdicke in vielen Bereichen um mehrere Meter sank. An tiefer gelegenen Gletscherzungen waren die Verluste besonders stark. Große Gletscher wie Aletsch- und Rhonegletscher gehören zu den Orten, an denen der langfristige Rückzug besonders gut dokumentiert ist.

MessgrößeWas 2026 beobachtet wurde
Volumenverlust Schweizrund 5,5 Prozent in einem Jahr
Schneedeckezu geringe Reserven vor dem Sommer
Sommerwetterwiederholte Hitzeperioden von Mai bis September
Eisdickemehrere Meter Verlust an zahlreichen Messpunkten
Langfristige Entwicklungein großer Teil des Gletschereises bereits innerhalb weniger Jahrzehnte verloren

Warum Gletscher für die Wasserversorgung wichtig sind

Gletscher funktionieren wie natürliche Speicher. Im Sommer geben sie Schmelzwasser an Flüsse ab und können Trockenperioden teilweise abfedern. Genau darin liegt das Paradox: Starke Schmelze erhöht kurzfristig die Wasserzufuhr, reduziert aber gleichzeitig den Eisvorrat, der in zukünftigen trockenen Sommern fehlen könnte.

Was das für Wasserkraft, Landwirtschaft und Flüsse bedeutet

Die Schweiz nutzt Wasser intensiv für Wasserkraft, Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung. Weniger Gletschereis verändert langfristig die saisonale Wasserverfügbarkeit. Besonders im Spätsommer kann der Beitrag aus hochalpinen Speichern abnehmen. Die Folgen hängen jedoch auch von Niederschlag, Schneefall, Temperatur und regionaler Wasserbewirtschaftung ab.

Neue Naturgefahren entstehen mit dem Rückzug

Schmelzende Gletscher verändern die Stabilität von Hängen und Moränen. Neue Gletscherseen können entstehen, Felsbereiche werden vom stützenden Eis befreit und Permafrost taut. Dadurch können Steinschlag, Felsstürze, Murgänge oder plötzliche Wasserabflüsse wahrscheinlicher werden. Das bedeutet nicht, dass jede schmelzende Eisfläche unmittelbar gefährlich ist, aber die Überwachung wird wichtiger.

Warum ein einzelnes kühles Jahr das Problem nicht löst

Gletscher reagieren auf die Energiebilanz über viele Jahre. Ein schneereicher Winter oder ein kühler Sommer kann Verluste kurzfristig bremsen, aber die langfristige Entwicklung wird von der Erwärmung bestimmt. Kleine und tief gelegene Gletscher reagieren besonders schnell, weil ihre gesamte Fläche in wärmeren Höhenzonen liegt.

Was jetzt beobachtet werden muss

  • Schneemenge am Ende des Winters 2026/27.
  • Temperatur und Dauer der Hitzewellen im kommenden Sommer.
  • Entwicklung von Gletscherseen und instabilen Moränen.
  • Abflussmengen in stark vergletscherten Einzugsgebieten.
  • Veränderungen an Aletsch-, Rhône- und anderen langjährig überwachten Gletschern.
  • Permafrosttemperaturen in hochalpinen Felswänden.

Fazit

Die Schweizer Gletscherbilanz 2026 ist bedeutend, weil sie nicht nur eine weitere schlechte Saison beschreibt. Sie zeigt, wie schnell der alpine Eisspeicher kleiner wird. Die Folgen reichen vom Landschaftsbild über Wasser und Energie bis zu Naturgefahren. Gerade deshalb ist die kontinuierliche Messung wichtiger als einzelne dramatische Bilder.