Zusammenfassung: VERBUND meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Erzeugungskoeffizienten der Laufwasserkraftwerke von 0,68 – 32 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt. Die gesamte Wasserkrafterzeugung sank gegenüber dem Vorjahr um 9,8 Prozent auf 11.191 GWh. Niedrige Wasserführung reduziert damit eine zentrale heimische Stromquelle und erhöht die Bedeutung von Speichern, Netzen, Importen und anderen erneuerbaren Energien.

Die Wasserkraftproduktion ist deutlich schwächer

VERBUND meldete für die ersten sechs Monate 2026 eine deutlich unterdurchschnittliche Wasserführung. Der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke lag bei 0,68 und damit 32 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Wasserkrafterzeugung sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1.210 GWh beziehungsweise 9,8 Prozent auf 11.191 GWh.

Was ein Hydrokoeffizient von 0,68 bedeutet

Der Erzeugungskoeffizient setzt die tatsächliche Stromproduktion der Laufwasserkraftwerke ins Verhältnis zu einem langjährigen Normalwert. Ein Wert von 1 entspräche etwa dem Mittel. 0,68 zeigt deshalb eine außergewöhnlich schwache hydrologische Situation. Wichtig: Die Zahl bezieht sich auf die VERBUND-Laufwasserkraftwerke, nicht automatisch auf jedes österreichische Kraftwerk.

Kennzahl VERBUND H1 2026Wert
Hydrokoeffizient Laufwasser0,68
Abstand zum langjährigen Durchschnitt-32 Prozentpunkte
Wasserkrafterzeugung11.191 GWh
Veränderung zum Vorjahr-1.210 GWh / -9,8%
JahresspeicherkraftProduktion -5,9% zum Vorjahr

Warum trockene Monate die Laufwasserkraft direkt treffen

Laufwasserkraftwerke können Wasser nur begrenzt speichern. Sinkt der Abfluss im Fluss, steht unmittelbar weniger Energie zur Verfügung. Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke können zeitlich flexibler reagieren, aber auch sie sind darauf angewiesen, dass ihre Speicher durch Niederschlag und Schneeschmelze gefüllt werden.

Was das für das österreichische Stromsystem bedeutet

Fehlende Wasserkraft muss nicht eins zu eins durch fossile Kraftwerke ersetzt werden. Das Stromsystem reagiert mit einem Mix aus Speichern, Wind- und Solarproduktion, Lastmanagement und grenzüberschreitendem Handel. Je gleichzeitig schwächer Wasser, Wind oder Sonne ausfallen, desto wichtiger werden flexible Kraftwerke und Importmöglichkeiten.

Warum der Strompreis nicht nur vom Wasser abhängt

Großhandelspreise werden europaweit von Angebot, Nachfrage, Brennstoffkosten, CO₂-Preisen, Netzen und grenzüberschreitenden Kapazitäten bestimmt. Weniger günstige Wasserkraft kann das Angebot verknappen, doch Endkundenpreise reagieren zusätzlich auf Beschaffung, Tarifverträge, Steuern und Netzentgelte.

Trockenheit macht Diversifizierung wichtiger

Ein hoher Anteil erneuerbarer Energien reduziert Brennstoffimporte, bedeutet aber nicht Wetterunabhängigkeit. Wasserkraft leidet unter Trockenheit, Windkraft unter längeren Flauten und Photovoltaik unter saisonal geringer Einstrahlung. Ein resilienter Mix kombiniert deshalb verschiedene Technologien mit Speichern und einem starken Netz.

Was in den nächsten Monaten zählt

  • Niederschläge und Abflüsse in Donau- und Alpen-Einzugsgebieten.
  • Füllstände großer Speicher vor dem Winter.
  • Wind- und Solarproduktion als Ausgleich.
  • Stromimporte und Exportflüsse im europäischen Markt.
  • Neue Quartalsdaten von VERBUND und E-Control.

Fazit

2026 zeigt deutlich, dass Österreichs Wasserkraft zwar eine große Stärke, aber keine wetterunabhängige Energiequelle ist. Die schwache Wasserführung reduziert Produktion und Erträge und macht Speicher, Netze und einen breiteren erneuerbaren Mix noch wichtiger. Genau darin liegt die langfristige Lehre aus einem trockenen Jahr.